ADR, RID und ADN: Was gibt es Neues 2017/2018?

2017/2018 gibt es zahlreiche Änderungen in ADR, RID und ADN. Hier eine kleine Übersicht mit Hinweisen zu einigen ausgewählten Änderungen! Genauere Infos und weitere Änderungen finden Sie in Gefahrgutrecht aktuell.

 

UN-NummerEs gibt 12 neue Einträge, darunter 9 neue UN-Nummern:

0015, 0016, 0303, 0510, 3527 bis 3534. Folgende Benennungen sind damit verbunden:

0015, 0016, 0303 MUNITION NEBEL …
0510 Raketenmotoren
3527 POLYESTERHARZMEHRKOMPONENTENSYTEME
3528 VERBRENNUNGSMOTOR MIT ANTRIEB DURCH ENTZÜNDBARE FLÜSSIGKEIT …
3529 VERBRENNUNGSMOTOR MIT ANTRIEB DURCH ENTZÜNDBARES GAS …
3530 VERBRENNUNGSMOTOR oder MASCHINE MIT VERBRENNUNGSMOTOR
3531 POLYMERISIERENDER STOFF, FEST, STABILISIERT, N.A.G
3532 POLYMERISIERENDER STOFF, FLÜSSIG, STABILISIERT, N.A.G
3533 POLYMERISIERENDER STOFF, FEST, TEMPERATURKONTROLLIERT, N.A.G
3534 POLYMERISIERENDER STOFF, FLÜSSIG, TEMPERATURKONTROLLIERT, N.A.G


Begriffsänderungen:

  • Statt des Begriffes „Kennzeichnung“ wird im ADR 2017, ADN 2017 und RID 2017 nun an den meisten Stellen durchgehend „Kennzeichen“ verwendet.
  • Aus der bisherigen Aufzählung „Wagen/Fahrzeug, Container, Tankcontainer, ortsbeweglicher Tank oder MEGC“ wird ein schlichtes „Güterbeförderungseinheit“.



Flexible Schüttgut-Container (BK3):

Diese Behälter sollten schon im Jahr 2015 im ADR, RID und ADN berücksichtigt werden, wurden damals aber in letzter Minute nicht aufgenommen. Diese Hürden sind jetzt beseitigt. Alle relevanten Absätze im ADR2017, RID 2017 und ADN 2017 werden durchgehend ergänzt; es gibt zudem zwei komplett neue Abschnitte:

  • 6.11.5 – Vorschriften für die Auslegung, den Bau und die Prüfung von flexiblen Schüttgut-Containern
  • 7.3.2.10 – Verwendung von flexiblen Schüttgut-Containern

Im Seeverkehr sind die Bestimmungen zu den Schüttgut-Containern bereits mit Amdt. 37-14 des IMDG-Codes in Kraft getreten.



Lithiumbatterien:

Ein Dauerthema im ADR, ADN und RID. Ab 2017 gibt es einen neuen Gefahrzettel bzw. ein neues Kennzeichen für die Beförderung von Lithiumbatterien (5.2.2.2.2 bzw. 5.2.1.9 / 3.3 SV 188):

 

 

 

 

 

 

Auch die Schriftlichen Weisungen ändern sich auf S. 3: hier wird der neue Gefahrzettel aufgenommen.



Polymerisierende Stoffe:

Hintergrund der Einführung dieser neuen Stoffgruppe in das ADR 2017/ ADN 2017 /RID 2017 ist unter anderem der Unfall des Containerschiffs MSC Flaminia am 14. Juli 2012: die Polymerisation von Divinylbenzen und die damit verbundene Freisetzung von Wärme hat eine wesentliche Rolle für das Unfallgeschehen gespielt. Bei einer Polymerisation reagieren niedermolekulare Verbindungen (Monomere, Oligomere) zu hochmolekularen. Die Gefahr besteht zum einem in der entstehenden Reaktionswärme – und zum anderen in einem Druckaufbau in der Umschließung. (Quelle: J. Conrad, „Modell mit Charakter (II)“, gefährliche ladung 5/2015, S. 36-37.

Für polymerisierende Stoffe gibt es insgesamt vier neue UN-Nummern:
3531 POLYMERISIERENDER STOFF, FEST, STABILISIERT, N.A.G
3532 POLYMERISIERENDER STOFF, FLÜSSIG, STABILISIERT, N.A.G
3533 POLYMERISIERENDER STOFF, FEST, TEMPERATURKONTROLLIERT, N.A.G
3534 POLYMERISIERENDER STOFF, FLÜSSIG, TEMPERATURKONTROLLIERT, N.A.G

(UN 3533 und UN 3534 sind im RID 2017 nicht zur Beförderung zugelassen!)

Polymerisierende Stoffe werden in die Klasse 4.1 eingestuft.
Damit sind neue Klassifizierungscodes verbunden, die unter F4 Gegenstände zu finden sind:

  • PM – polymerisierende Stoffe
  • PM1 – Stoffe, für die keine Temperaturkontrolle erforderlich ist
  • PM2 – Stoffe, für die eine Temperaturkontrolle erforderlich ist


In diesem Zusammenhang gibt es auch die neue Sondervorschrift SV 386 für stabilisierte Stoffe mit Temperaturkontrolle – und eine neue Begriffsbestimmung: „selbstbeschleunigende Polymerisation“ (SAPT).



Anforderungen an Fahrzeuge:

  • Fahrzeugtyp OX wird aus Vereinfachungsgründen gestrichen OX-Fahrzeuge waren bislang dafür da, um UN 2015 Wasserstoffperoxid, wässrige Lösung, in Tanks zu befördern. Ab 2017 sind dafür FL-Fahrzeuge zu verwenden. (Hintergrund: Die einzige für OX-Fahrzeuge spezifische Vorschrift betraf die Feuerbeständigkeit des Fahrerhauses – die ist nach Aussage der Fahrzeugindustrie heute allgemein durch die verwendeten Werkstoffe gegeben. (Quelle: J. Conrad, „Geregelte Technik für 2017 (II)“, gefährliche ladung 3/2016, S. 40)
  • Technische Merkmale und Ausrüstung von Gefahrgut-Fahrzeugen
    Die Vorgaben im Kapitel 9.2 (insbesondere die Tabelle in 9.2.1.1) sind für das ADR 2017 komplett überarbeitet und auf den Stand der aktuellen Fahrzeugtechnik gebracht worden. Damit sind unter anderem auch CNG-, LNG- und LPG-angetriebene Fahrzeuge angemessen berücksichtigt.
  • Elektrische Ausrüstung von Gefahrgut-Fahrzeugen
    Auch die Spezialvorschriften für die elektrische Ausrüstung von Fahrzeugen wurden an den aktuellen Stand der Fahrzeugtechnik angepasst. Sie betreffen vor allem die Verkabelung, Sicherungen und Schutzschalter, Batteriesysteme, Beleuchtung, Assistenzsysteme …



Klarstellung beim Sicherheitsberater in den Aufgaben Verpacken und Befüllen:

Wo im ADR, RID und ADN bisher lapidar von „Be- und Entladen“ die Rede war, wird nun ab 2017 explizit deutlich gemacht, dass in diesem Kontext auch das Verpacken und das Befüllen unter die Aufsichtspflichten und die Aufgabenbeschreibungen der Gefahrgutbeauftragten fallen.



Möglichkeit der „PC-Prüfung“ für Sicherheitsberater/Gefahrgutbeauftragte/Fahrzeugführer:

Nun ist das „elektronische Zeitalter“ endlich auch im ADR und im Prüfungswesen angekommen:  Das neue Kapitel 1.8.3.12.5 erlaubt es – unter gewissen Randbedingungen, die sichergestellt sein müssen – schriftliche Prüfungen ganz oder teilweise als elektronische Prüfungen am PC durchzuführen. Das betrifft vor allem die Prüfung zum Gefahrgutbeauftragten.



Ladungssicherung - explizite Verweise auf den CTU-Code:

Was immer wieder mal im Gespräch war, wird im ADR 2017 nun Realität: Wenn es um die Anforderungen an die sachgerechte Sicherung gefährlicher Ladungen auf Fahrzeugen geht, verweist das neue ADR 2017 nun explizit auf den CTU-Code. Somit sind Sie ab 2017 auch gefahrgutrechtlich auf der sicheren Seite, wenn Sie sich bei der Sicherung Ihrer Gefahrgut-Fracht an den CTU-Code halten. Mehr dazu finden Sie im CTU-Guide.

 






Spezielle Änderungen im ADN 2017 in Stichworten:

  • Einführung Schiffsakte
  • Vorgaben für Befüller bei Beförderungen mit Temperaturkontrolle
  • Übergangsregelungen / neue Bestimmungen für Zulassungszeugnisse
  • Übergangsvorschriften für Tankschiffe in 1.6.7.2.2.2
  • Übergangsregelung für Schiffe ohne Schiffsakte (1.6.7.2.2.5)
  • Neue Regelung für Anerkennung von Klassifikationsgesellschaften (1.6.9)
  • Erläuterung des Begriffes Eigner
  • Neue und geänderte Regelungen zum Zulassungszeugnis
  • Wiederholungsuntersuchung und Erneuerung des Zulassungszeugnisses - Nach Fristablauf ist Erstuntersuchung erforderlich (1.16.10)
  • Teil 3 Tabelle A: Bei Angaben über Gefahren in Klammern in der Spalte 5 sind nur die für den konkret beförderten Stoff zutreffenden Codes zu verwenden“
  • Neue Einträge Tabelle C
  • Steinkohle, Koks und Anthrazitkohle in loser Schüttung - Konkretisierung der Sondervorschrift SV 803
  • Neue Regelung für Kühlcontainer mit elektrischen Einrichtungen, Explosionsschutz auf Schiffen, die Kühlcontainer mit elektrischen Anlagen befördern

 

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